Die Geschichte der LKG Hormersdorf






Wo kommen wir her?!

Chronik der Landeskirchlichen Gemeinschaft Hormersdorf



|| Wo liegen die geschichtlichen Wurzeln der deutschen Gemeinschaftsbewegung, und damit auch  die der Hormersdorfer Gemeinschaft? Drei hervorragende Personen haben der deutschen Gemeinschaftsbewegung ihre Prägung gegeben:

Pastor Philipp Jakob Spener  (1635 - 1705)

Theologie-Prof. August Hermann Franke  (1633 - 1760)

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf  (1700 - 1760).

Pastor Philipp Jakob Spener gab den Anstoß durch eine Schrift: "Fromme Wünsche" (lateinisch: pia desideria) in der  angesichts der geistlichen Notstände eine Erneuerung der Kirche angemahnt wurde. Spener gestand den Gläubigen das Recht und die Fähigkeit zu, die Bibel zu verstehen und auszulegen. Er selbst hat in seinem Pfarrhaus  1670 nachmittags mit solchen Hausversammlungen begonnen. Spener betonte: "Christlicher Glaube muß sich im praktischen Leben auswirken."

Auf dieser Linie hatte dann die zweite Person bahnbrechenden Einfluß. Der Theologieprofessor August Hermann  Franke gründete ein Waisenhaus und verschiedene Schulen. Er verband den pädagogischen Auftrag mit der sozialen Verantwortung. Als Theologieprofessor an der Universität Halle formte er mit gleichgesinnten Professoren"pietistisch"geprägte Pfarrergenerationen. Es ging Franke um die Praktizierung geistlichen Lebens. Die Bibel sollte für die Menschen mehr als ein schönes frommes Buch sein. Ihr Inhalt sollte die Menschen in ihrem Lebensablauf prägen. Er verstand Pietismus (evangelisch fromme Erweckungsbewegung) als eine Bibel- und Gebetsbewegung, daraus sich auch der Dienst am Nächsten ableitete.
Diese Elemente gehören auch heute noch zu den unverzichtbaren Merkmalen der Gemeinschaftsarbeit (siehe auch Behindertendienst).

Die dritte geschichtliche Persönlichkeit, Nikolaus Graf Ludwig von Zinzendorf, wurde bekannt durch die Aufnahme von  böhmischen Flüchtlingen auf seinem Gut in Beuthelsdorf/Lausitz. Dort entwickelte sich ebenfalls eine besondere Frömmigkeitsform, auch geprägt durch eine tiefe Jesusliebe und durch die Fülle ihres Liedgutes.
Diese  hat ebenfalls einen starken Einfluß auf die Gemeinschaftsfrömmigkeit ausgeübt.
In Herrnhut nahm die Arbeit dann eine etwas andere Entwicklung als in der Gemeinschaftsbewegung. Es entstand die Herrnhuter  Brüdergemeine, eine kleine Freikirche.



|| Aber auch nach dieser Zeit haben viele geistliche Originale die geistliche Erweckung von Ort zu Ort durch die Landstriche  Deutschlands getragen. Die erste Gemeinschaft wurde in Sachsen in Mülsen St. Niklas gegründet. Viel später kam es dann erst zu einer Verbandsgründung. 1888 wurde in dem kleinen Ort Gnadau bei Magdeburg der "Gnadauer  Verband für Gemeinschaftspflege und Evangelisation" gegründet. In Sachsen begann die offizielle Verbandsarbeit mit der Verbandsgründung 1899. Allerdings gab es auch in Sachsen schon früher viele Gemeinschaften.
Auch die Arbeit der Hormersdorfer Gemeinschaft begann schon um das Jahr 1880. Denn in der Chronik der Zwönitzer Gemeinschaft, welche die älteste im Thumer Gemeinschaftsbezirk ist, ist folgendes zu lesen: "Um das  Jahr 1880 haben Zwönitzer Geschwister mit Gleichgesinnten aus Hormersdorf Fühlung aufgenommen." In Zwönitz wurden seit 1877 in der Leineweberstube bei Mutter Breitfeld jeden Sonntag 20 Uhr Versammlungen abgehalten.  Sie wurden dort von Brüdern der Herrnhuter Brüdergemeine und Bibelkolporteur Bruder Kühlwein bei den Versammlungen unterstützt. Br. Kühlwein war aus dem württembergischen nach Chemnitz übergesiedelt. Die  Hormersdorfer Geschwister sind viele Jahre nach Zwönitz und später dann nach Dorfchemnitz in die Gemeinschaftsstunden gegangen. Dort war es 1898 zur Gemeinschaftsgründung gekommen.

Für Hormersdorf wird nun das Gründungsjahr 1909 angegeben, obwohl die Versammlungen schon früher begannen. Dazu wäre  folgendes zu sagen: in den alten Unterlagen, die vom Gründer der Hormersdorfer Gemeinschaft noch vorhanden sind, befand sich ein Kassebuch, welches mit dem 3.1.1909 beginnt. In diesem Kassebuch lagen einige Zettel  mit dem Programm zum 25jährigen Bestehen der Gemeinschaft. Die Lob- und Dankversammlung dazu fand am 11. Febr. 1934 statt. Davon haben wir nun heute die Gründung der Hormersdorfer Gemeinschaft abgeleitet.

Der Gründer der Hormersdorfer Gemeinschaft, Bruder Richard Wetzel, hat selbst einmal gesagt: "Meinen rechten Glaubensgrund  verdanke ich Mutter Breitfeld in Zwönitz."
Laut der Dorfchemnitzer Gemeinschaftschronik haben um das Jahr 1905 die Dorfchemnitzer Brüder Emil Richter und Gustav Bach, dann Richard Wetzel bei der Gründung in  Hormersdorf beigestanden. 1909 meldete sich die Ortsgemeinschaft Hormersdorf bei dem "Verband für Landeskirchliche Gemeinschaftspflege im Königreich Sachsen" in Chemnitz an.

Am Anfang waren die Versammlungen aller zwei Wochen. Aus den Eintragungen des ersten Kassebuchs geht hervor, daß Br. Emil  Richter, Dorfchemnitz. am 3.1.1909 über Ps. 37,1-19 gepredigt hat. Dort finden wir das bekannte Wort:

  "Habe deine Lust am Herrn, der wird dir geben, was dein Herz wünscht.
   Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird`s wohl machen."

Zu Beginn finden wir immer die Reihenfolge der dienenden Brüder: Emil Richter, Gustav Bach, Richard Wetzel. Doch Ende 1909  finden wir schon andere Namen: Br. Kretzschmar, Flöha und Br. Hermann Picard, Thalheim. Jedoch die Hauptlast aller Dienste am Anfang trug Br. Richard Wetzel. Oftmals hat er 4-6 mal hintereinander die "Stunde"  gehalten. Er war in vielen Dingen ein Vorbild. Man konnte ihn als einen "rechten Vater in Christo" bezeichnen. Fast 50 Jahre hat er als Gemeinschaftsleiter der Hormersdorfer Gemeinschaft und damit seinem HERRN und  HEILAND JESUS CHRISTUS treu gedient.



|| Die alten Väter haben schnell erkannt, daß zu einem Gemeinschaftwerk auch die Zweigarbeiten notwendig sind. So drängte die Liebe zu den Kindern und zu den Trinkern die Brüder dazu, die Sonntagsschule zu gründen und dem Blaukreuzverein (Trinkerrettungsverein) beizutreten. Beide Arbeiten begannen im Jahr 1910. Die Sonntagsschulstunden hielt damals auch schon Br. Wetzel. Er sammelte die Kinder in seiner Wohnung, wo auch am Anfang die Gemeinschaftsstunden abgehalten wurden. Die einzelnen Unterkünfte der Gemeinschaft werden später nochmals gesondert aufgelistet. Von der Sonntagsschule wird berichtet, daß bereits am 3.3.1912 eine "Familienstunde" ausgestaltet wurde.
Von den Anfängen der "Blaukreuzarbeit" wäre folgendes zu erwähnen: Am 30.1.1910 kam Pastor Burk vom Blaukreuzverein  zur Gründung nach Hormersdorf und predigte über das Gleichnis vom verlorenen Sohn aus  Lukas 15,11-32. Später kam der Blaukreuzsekretär Br. Soeder aus Reichenbach, um Blaukreuzstunden in Hormersdorf zu halten. Bei uns hat sich damals Br. Hermann Gödel dieser Arbeit im Besonderen angenommen.
Ein  Tagesordnungspunkt aus der Ortsbrüderratssitzung am 29. Jan 1934 ist erwähnenswert, welcher für die Arbeit des Blaukreuzvereins damals spricht. Da steht unter Punkt 3:

Das Gnadauer Blaukreuz regt an, zur bevorstehenden
Karnevalszeit gegen die Unsitten in unserem Volke
dadurch einzuschreiten, indem die Fastnachtsnummer
vom Blatt "Volk in Not" stark verbreitet wird. Zu diesem
Zweck sollen aus der Gemeinschaftskasse 500 Exemplare
zum Preis von RM 6,50 bezahlt und verteilt werden.

Viele Geschwister haben damals aus Liebe zu den Trinkern eine Enthaltsamkeitskarte unterschrieben. Diese Arbeit gibt es auch  heute noch. Während der DDR-Zeit durfte sie nicht mehr "Blaues Kreuz" genannt werden. Sie war zu dieser Zeit unter dem Namen "Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr von Suchtgefahren (AGAS)" bekannt. Br. Hans Bucher war  viele Jahre hauptamtlich, später ehrenamtlich in dieser Arbeit tätig. Seit der Wende läuft sie nun auch in Ostdeutschland wieder unter dem Namen "Blaukreuzarbeit".