Die Nachkriegsjahre


|| Der 2. Weltkrieg hat auch in unsere Gemeinschaft große Lücken gerissen. 11 Brüder kamen nicht wieder nach Hause:

Max Viehweger, Johannes Eckert, Harti Bucher, Manfred Rehm, Helmut Nobis, Arthur Lang, Emil Fleischer,  Gotthold Bucher, Albert Hilbert, Kurt Bucher, Kurt Oelschlegel.

Es ist eine Tatsache, daß uns auch vom Volk Israel in der Bibel berichtet wird, daß Notzeiten die Menschen  fragend nach Gott machen. So wuchs in den Kriegs- und Nachkriegsjahren die Besucherzahl stark. Die Folge war, daß im Gemeinschaftshaus der Platz nicht mehr ausreichte, um alle Besucher unterzubringen.  Das Podium war voll mit Bänken gestellt, die Gänge mit Stühlen; jede Ecke war ausgefüllt. "So kann es nicht weitergehen, wir müssen bauen", hieß es. Aber die große Frage: "Wie, wohin und womit" war nicht  so leicht zu beantworten. Vom 5.-11.2.1951 war Pred. Fritz Uloth zur Evangelisation hier und sah unsere Platznot. Er rief mit fester Stimme in den Saal hinein: "Brüder, glaubt und baut!" Das gab den  letzten Anstoß zum Beginn der Bauvorbereitungen. Schon am 23.2.51 steht im Protokollbuch folgende Niederschrift einer Brüderratssitzung:

Infolge des immer mehr steigenden Besuches der Gottesdienste kommt der Brüderrat nach langen Bemühungen zu  dem Entschluß, das Gemeinschaftshaus zu vergrößern. Es ist auf Dauer nicht tragbar, daß ein Teil der Gottesdienstbesucher stehen muß nachdem jede sich bietende Gelegenheit ausgenutzt wurde. Bruder  Paul Seidel wird beauftragt, die Verhandlung mit den Geschwistern Nobis und Gödel betreffs Grundstück zu führen. Die Bauleitung wird dem Architekten, Br. Karl Gerlach, Chemnitz und die Ausführung dem  Baugeschäft Strobel übertragen. Bruder Viehweger wird beauftragt, in der nächsten Gemeinschaftsstunde die Gemeinde davon zu unterrichten und für ein besonderes Bauopfer zu bitten.

Dies geschah dann auch am nächsten Sonntag und das Ergebnis der ersten Bauopfersammlung betrug ca. 8.000,- M.  Der Anfang war gemacht. Bald hatte Br. Gerlach die Zeichnungen fertig, die Baugenehmigung war da und auch die Grundstücksfragen waren geklärt. Der Bau konnte beginnen. D.h. zuerst ging es ans Abbrechen  eines Teils des alten Hauses. Im neuen Haus sollte die Decke gewölbt werden, um durch den Einbau einer Empore an der Giebelseite mehr Plätze zu bekommen. Alles war auf den Beinen. Kinder, Jugend und  Alter standen zusammen und wollten das "Haus des Herrn" bauen. Während der Bauzeit hatten wir im Fabriksaal von Ernst Vorberg (Tische-Fritz-Ernst) Unterkunft bekommen. Die Gesamtbauzeit betrug ein  reichliches Jahr (Mai 51-Juli 52). Wir wollen von diesem Bau nicht viele Namen aufzählen, denn es war ein Bau der ganzen Gemeinschaft. Drei Namen sollen genannt werden, es sind die Brüder Paul Seidel,  Emil Pfüller und Henry Rehm. Aber wie schon gesagt, alle haben sich eingesetzt, um das neue Gemeinschaftshaus fertigzubringen und zu bezahlen. Wir haben dies auch in den Monaten verspürt, denn  Schwierigkeiten gab es mehr als genug. Aber der HERR hat immer wieder zur rechten Zeit geholfen. Es hat sich das Psalmwort 127,1

"Wenn der HERR nicht das Haus baut, so
arbeiten umsonst, die daran bauen"

immer wieder bestätigt.

Am 20.Juli 1952 konnte das umgebaute, vergrößerte, eigentlich fast neue Gemeinschaftshaus eingeweiht werden.  Rektor Glöckner hielt die Predigt zur Einweihung. Der Gesamtpreis des Umbaus betrug ca. 30.000,- M. Dabei sind die vielen Stunden, in denen die Gemeinde das alte Haus abgebrochen hat, Ziegel geputzt (von  einer Bombenruine in Thum), ausgeschachtet, Steine und Sand gefahren und gemauert hat, nicht berücksichtigt. Ein Jahr nach der Einweihung waren alle Verbindlichkeiten des Baues getilgt. Auf die  Rückzahlung der Bausteine (zinslose Darlehen) wurde meistens verzichtet. Zusammenfassend kann zu diesem Bau gesagt werden:

"Gott hat der Gemeinde nicht nur offene Hände, sondern auch offene Herzen geschenkt." Dieser Bau konnte  nicht mit Kollektenpfennigen bezahlt werden, sondern dazu waren wirklich Opfer nötig.