Arbeiten am Gemeinschaftshaus


|| Der Um- und Anbau des Gemeinschaftshauses:

Beginnend mit den schriftlichen Vorbereitungen ab 1981 bis zur Einweihung am Reformationsfest, dem 31.10.1993, dauerte der Bau also 12 Jahre. Der gesamte Bauablauf geschah in mehreren Etappen. Er begann mit der Anfrage der Erben des "Tische-Franz-Hauses" ob die Gemeinschaft noch Interesse an der alten Scheune hätte, welche am Gemeinschaftshaus angebaut war. Bereits beim Umbau 1951/52 wollte die Gemeinschaft diese Scheune gern erwerben, aber man verkaufte damals nicht. Nun kam das Angebot von den Erben. Ja, man würde auch das "Tische-Franz-Haus" mit dem Grundstück verkaufen. Für die Leitung der Gemeinschaft war diese Anfrage mehr als eine Anfrage, für sie war es eine "Gebetserhörung". Denn ab 1951 beteten einige ältere Geschwister immer noch für den Erwerb der Scheune, denn die sanitären Anlagen, Garderoben und Küche waren sehr beengt. Und nach 30 Jahren kam plötzlich dieses Angebot. Darum konnte diese Gebetserhörung nur eingelöst werden.
Am 18.2.1981 stehen im Bautagebuch die vier Worte: "Interesse und Kauf zugesagt". Aber dem Abschluß des Kaufvertrages standen in dieser Zeit "sozialistische Gesetze" entgegen. Der Erwerb von  Grundstücken und Häusern war zu dieser Zeit für kirchliche Organisationen fast unmöglich. Er wurde immer abgelehnt. Um doch zum Erwerb zu kommen, mußte eine Zwischenlösung gefunden werden, d.h. ein  sogenannter Strohmann als Käufer eingesetzt werden. Die Geschwister Gerd und Ingrid Schulz stellten sich dafür zur Verfügung. Und so kam es am 8.2.1982 zum Abschluß des Kaufvertrages beim Notariat  Stollberg. Da der bauliche Zustand des Wohnhauses sich nicht für die Einbeziehung eines Anbaues ans Gemeinschaftshaus eignete, (Deckenhöhe 2m, Dachstuhl morsch usw.) wurde am 14.10.1982 ein Abbruchantrag  an die staatliche Bauaufsicht gestellt.
Dem Antrag wurde am 22.3.1983 mit Zustimmung 2/83 vom Rat des Kreises zugestimmt. Allerdings mußte vor Abbruchbeginn der letzte Mieter im Haus, Karli Drechsel,  eine Wohnung erhalten. Und das war zu dieser Zeit gar nicht so einfach. Im Oktober 1984, nach 1 ½ Jahren wohnte Karli Drechsel immer noch im Haus. Es war noch keine neue Wohnung für ihn gefunden worden.  Von 1982 bis 85 wurden immer wieder Anläufe beim Rat des Kreises, Abteilung Inneres, wegen käuflicher Übernahme als "Landeskirchliche Gemeinschaft" gemacht. Und allein die Abteilung Inneres war für  solche Grundstücksangelegenheiten zuständig. Plötzlich, bei einer wiederholten Vorsprache 1985, gab der neue Leiter der Abt. Inneres die Zustimmung für eine schriftliche Antragstellung zur käuflichen  Übernahme durch die Landeskirchliche Gemeinschaft. Diesem Antrag wurde zugestimmt und mit dem Kaufvertrag am 12.12.1985 zum Abschluß gebracht. Es war allen wie ein Wunder. Mit der Zustimmung durfte nun ein Bauprojekt erarbeitet und eingereicht werden.
Der Architekt Wolfgang Gerlach, Dorfchemnitz, wird beauftragt, ein  Probeprojekt zu entwerfen.

Am Anfang kommen Jahre der Baumaterial- und Nutzholzbeschaffung. Für 1 m³ Nutzholz waren 3 m³ Gegenleistung  (Aufforstung, Holzschläge von Reißig räumen usw.) beim Forst nötig. Bei allen Förstern rund um Hormersdorf wurde gebettelt (Auerbach, Brünlos, Ehrenfriedersdorf, Thum, Thalheim). Die erste  Nutzholzgewinnung war am Sonnabend, den 10.4.1986, auf der Gelenauer Höhe. Ca. 5 m³; die Stämme hatten wir in zwei Haufen an den Wegrand zum Abtransport getragen. Am Mittwoch, den 14.4.86, war das  Holz schon geklaut. Das war ein bitterer Anfang. Bei den nächsten Aktionen wurden Wachen eingeteilt und das Holz schnellstens abtransportiert. Es waren große Anstrengungen nötig, um ca. 50 m³ Nutzholz  und die Gegenleistungen zu erbringen. Dazu mußte das Holz in Sägewerken in “Sonderschichten” geschnitten werden. Bei den Holzaktionen haben sich die Brüder aus den umliegenden Gemeinschaften tatkräftig  eingesetzt. Einmal waren im Greifensteingebiet bei Ausforstungsarbeiten 60 Personen zur gleichen Zeit im Einsatz.

Ende September 1986 begann noch die Aktion Klärgrube im Nachbargrundstück von Volker Bernd. Zwei Monate lang war  es eine "Schlammschlacht". Der Bagger versank sofort im Schlamm. Die Drainageleitung lag 3m tief, die Abwasserleitung 1,50 m alles Handschachtung. Gesamtlänge ca. 120m. Jeden Tag bis 21 Uhr unter  "Flutlicht". Als die letzten Rohre bis an die Grundstücksgrenze verlegt waren, begann es zu schneien, aber die Klärgrube stand.

Inzwischen hatte Architekt Gerlach die endgültige Konzeptzeichnung mit den vorgesehenen Ausmaßen fertig. Diese  mußte erst von der Abt. Inneres und dann vom Kreisbauamt bestätigt werden, um die Städtebauliche Zustimmung zu erhalten. Am 22.1.1987 traf die Städtebauliche Zustimmung ein. Nun erst durfte der Architekt  die Reinzeichnung und Statik anfertigen.

Die Aktionen des Jahres 1987 waren der Abbruch des alten Wohnhauses. Beginn 11.6.1987, Abschluß nach zwei Monaten am 7.8.1987. Die Fläche wird vorläufig mit Splitt überzogen und als Parkplatz genutzt.

Am 12.4.1988 konnte die Reinzeichnung des Projekts beim Rat der Gemeinde zur Weiterleitung an den Rat des Kreises abgegeben werden in der Hoffnung, daß bald der “grüne Stempel” der Baugenehmigung erteilt würde.

Inzwischen waren die Drainage- und Abwasserleitungen bis zur kommenden Baugrube verlegt worden. Am 20.7.1988  wurde das letzte Rohr verlegt. Am 21.7.1988 begann die LPG mit dem Ausbaggern. Bürgermeister Herold hatte an der Auerbacher Straße, zwischen Straße und Teich, die Böschung für über 100 LKW Aushub als  Abkippplatz zur Verfügung gestellt. Nach der letzten Fuhre am 26.7.88 stand die Baugrube 50 cm voll Wasser. Rund um die Uhr mußte abgepumpt werden. Gut, daß die Leitungen fertig waren, um das Wasser zum  Bach fortzubringen. Aufgrund mündlicher Zusagen durfte am 8.9.88 mit der Kellergründung begonnen werden. Am 8.9.88 war die Grundplatte fertig, am 19.11.88 das Kellergeschoß; Alles ist dachförmig  winterfest abgedeckt, die Baustelle aufgeräumt. Am nächsten Tag, den 20.11.88 liegen 20 cm Schnee.

Das Jahr 1989. Am 28.3.89 erhielten wir die Baugenehmigung mit dem “grünen Stempel”. Nun wurde  "offiziell" gebaut. Ab 1.4.89 beginnt mit der Räumung der Winterabdeckung der Rohbau. Täglich, außer sonntags, ist Baueinsatz. Sonnabends kommen die eingeteilten Helfer aus den Gemeinschaften des Thumer  Gemeinschaftsbezirkes. Was hier in den einzelnen Etappen von Handlangern, Maurern, Zimmerleuten usw. geleistet wurde, spricht für die Treue aller Beteiligten. Denn am 14.10.89 um 15 Uhr steht das Dach.  Es wird Richtfest gefeiert. 40 Bläser blasen vom 2. Obergeschoß Lob- und Danklieder. Der Gemeinschaftsleiter liest laut, damit es die vielen Menschen unten an der Fabrikmauer hören können, den Psalm 150:  " Alles was Odem hat, lobe den HERRN." Reinhold Höflich bläst vom Dachfirst das Lied: "Nun danket alle Gott." Hoch über dem Dach ist eine riesige, bunte Richtkrone und eine Birke befestigt.
Nun galt  es, das Dach noch dicht zu bringen. Jeden Tag wird unter Flutlicht gemauert, gesägt und genagelt. Es ist herrliches Wetter. Doch beim letzten Stück am 4.11.89 regnet es in Strömen und es ist bitterkalt.  Aber die letzte Schalung und die Dachpappe kommen noch drauf. Wenige Tage später liegen 50 cm Schnee.

Dann kam die Wende. Wie wird es weitergehen? Eigentlich waren alle optimistisch. Die Patengemeinde aus Eibelshausen hatte einen Gasheizkessel von Buderus  gespendet und wollte ihn seit Wochen bringen. Seit Wochen versuchten wir in dem Behördendschungel Zollpapiere zu bekommen, ohne Erfolg. Dann hat Pfarrer Ackermann von Eibelshausen sich bei der  Landesregierung in Wiesbaden auf Rechnung und Lieferschein als Warenbegleitscheine einen Stempel drücken lassen und ist "gen Osten" losgefahren. Am 15.12.89 gegen 10 Uhr waren die Brüder Ackermann,  Schwehn, Grießbach und Strömer von Eibelshausen mit dem Gaskessel da. An der Grenze war alles reibungslos gegangen.

Das Jahr 1990 ist durch den Innenausbau geprägt. Von Januar bis September hat die Baubrigade des  Landesverbandes geholfen. Das war eine große Hilfe. Leider mußte sie dann aus finanziellen Gründen aufgelöst werden. Es ging auf die Währungsumstellung zu. Die letzte Aktion in Mark der DDR war die  Stuhlbeschaffung. Die Stuhlfabrik Stützengrün stellte am 30.6.1990 noch für 200 Stück neue Stühle die Rechnung aus, auch wenn sie diese erst im Juli liefern konnte. Das war sehr großzügig von dieser  Firma. Am 1.7.1990 war die Währungsumstellung. Aus 64.000,- M wurden 32.000,- DM. Ab diesem Zeitpunkt war das Konto des öfteren leer, aber es kamen immer wieder zur rechten Zeit so viele Spenden, daß die  Rechnungen bezahlt werden konnten. Im November 1990 konnten infolge des herrlichen Wetters noch der gesamte Außenputz aufgebracht und die Gerüste abgebaut werden.

Die Jahreslosung 1991 war wie für uns gewählt: "Die dem HERRN vertrauen schöpfen neue Kraft". Und die konnten wir wirklich gebrauchen. Auch im Jahr 1991 ging der Innenausbau weiter. Am 14.10.1991 sind die beiden Wohnungen bezugsfertig. Familie Stephan Hoffmann (Landesposaunenwart von Sachsen) und Schwester Christa Hiemann beziehen ihre Wohnungen.

Die Bauphase 1992 enthält am Anfang die Fertigstellung des Eingangsbereiches, Emporeaufgang, Empore, kleiner Saal und große Schiebetür. Am 23.5.1992 ist großer Umzug aus dem Altbau in den Neubau. Es beginnen die Arbeiten im Altbau. Keiner ahnt, welche Überraschungen uns dort erwarten. Aber ab diesem Tag wird vom Reformationsfest 12.10.1993 als Einweihungstag gesprochen.
Am 8.1.1993 gibt es noch einen "Arbeitsberg" von 40 Punkten: Mauern und Fußboden trocken legen, innen neu verputzen, außen isolieren und putzen, Decken isolieren und gestalten, Fußbodenheizung usw., usw. Und das alles in freiwilligen Arbeitseinsätzen!!
Am 26.6.1993 war ein herausragendes Ereignis: der "Fall der Mauer". Den Alt- und Neubau trennte noch eine 60 cm starke Mauer (Altbauaußenmauer und Außenmauer der angebauten Scheune). Und das drei  Monate vor dem geplanten Einweihungstermin. Was sich in diesen drei Monaten abgespielt hat, kann nur der erahnen, der ähnliches erlebt hat. Wenn am Vormittag des Einweihungstages noch Fenster geputzt  werden, die neuen Stühle vom Fabrikoberboden von Johannes Herold, die dort drei Jahre ausgelagert waren, geholt und in den Saal gestellt werden, dann ist das Kampf bis zur letzten Minute.

Am Nachmittag zur Einweihungsfeier war das Gemeinschaftshaus mit über 300 dankbaren Menschen gefüllt. Wenn man  nach Jahren das Bautagebuch (176 Seiten) mit den ganzen Einzelheiten wieder einmal liest und dazu die Bilddokumente im Album betrachtet, dann kann man nur staunen. Dabei stehen nicht die Leistungen der  Menschen im Vordergrund, sondern die Führungen und Bewahrungen unseres Herrn Jesus Christus. Bewahrungen vor allem deshalb, daß es keine schlimmen Unfälle gegeben hat. IHM gilt in erster Linie der Dank  für diese Jahre von 1981 bis 1993. Auch das soll dankbar erwähnt werden. Dieser Bau hatte eine Finanzierung in zwei Währungen. 313.000,- M Ost und 334.000,- DM West. Nicht gerechnet sind die vielen  tausend Stunden der freiwilligen Arbeitseinsätze. Am Einweihungstag, den 31.10.1993 waren nur noch 22.000,- DM indirekte Schulden in Form von zinslosen Darlehen der Gemeinschaftsmitglieder vorhanden, die  später ebenfalls noch als Spende umgewandelt wurden.

|| Das Haus ist durch den Um- und Ausbau ein Haus für viele Möglichkeiten von Begegnungen geworden.  Vor allem auch größere Bezirksveranstaltungen sind jetzt möglich. Die verschiedenen Zweigarbeiten haben gute räumliche Voraussetzungen für ihre Arbeit erhalten.

Folgende Räume sind jetzt vorhanden: großer Saal, kleiner Saal, Empore, Jugendraum, Hobbyraum, Sitzungsraum.  Zwei Küchen sind vorhanden, und die Sanitäranlagen - einschließlich einer behindertengerechten Toilette - sind sehr gut geworden. Ebenso sind ausreichend Garderoben vorhanden. Das Angebot der  Zusammenkünfte konnte erweitert werden.